WOHNWELT FÜR ÄLTERE MENSCHEN

Streicheleinheiten für die Seele

Im Seniorenpflegeheim Sankt-Martins-Heim spielen Tiere eine wichtige Rolle.

Neugierig und mit treuen Augen schaut der schwarze Labrador auf den Besucher – Streicheleinheiten erwünscht. „Moses begrüßt alle hier immer sehr freundlich, weiß aber auch, wann er sich zurückhalten muss“, sagt Maria Bockhorst-Wimberg, Leiterin des Altenzentrums Sankt-Martins-Heim in Zetel und Besitzerin des Hundes. Sein Lieblingsplatz? Die Ladefläche ihres Autos – selbstverständlich mit hochgeklappter Heckklappe. Und nicht nur Moses freut sich, auch für die 95 Bewohner ist der regelmäßige Kontakt zum gut zwei Jahre alten Rüden einfach wunderbar. „Viele haben früher selbst ein Haustier gehabt, das dann vielleicht gestorben ist oder das sie nicht mehr weiter versorgen konnten und abgeben mussten.“ Auch beim Umzug ins Seniorenheim werden manchmal Tiere zurückgelassen, da sich die Versorgung eigener Haustiere dort oft schwierig gestaltet, wie Versuche in der Vergangenheit bereits gezeigt haben. Gerade für diese Menschen ist der Umgang mit einem Hund wie Moses Balsam für die Seele.

Von Ziegen und Katzen

Und es gibt es noch weitere Tiere im Altenzentrum des Diakonischen Werkes Zetel e.V.:  Schnurrend streicht eine ziemlich bunte Katze um die Beine und auch Kater Paul tigert gerade durch die großzügige Anlage mit dem herbstlich blühenden Garten und begrüßt den ein oder anderen Bewohner. Einen besonderen Ausblick haben die Bewohner der Demenzgruppe: Sie schauen auf ein großzügiges Gehege mit zwei Ziegen. Besser wie jedes Fernsehprogramm, verspricht eine Bewohnerin aus der Wohnküche des Wohnbereiches mit direktem Ausblick. Insbesondere die Katzen sind sehr wichtig, sie geben viel Geborgenheit. Wir haben eine Bewohnerin, deren beiden Katzen gestorben waren. Sie wollte am liebsten nicht mehr leben, jetzt ist sie ganz vernarrt in Paul“, freut sich Frau Bockhorst-Wimberg, die schon seit mehr als zehn Jahren auf den Schmusefaktor Tier setzt. „Es macht die Menschen hier einfach glücklich, sie reagieren mit sehr viel Freude darauf.“ Kraulen, Streicheln, Schmusen – unschätzbar groß ist die Wärme, die sie dadurch erhalten. „Man darf nicht vergessen: Tiere und Menschen müssen sich ergänzen, es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen.“

Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer

Natürlich müssen auch diese Tiere versorgt werden. „Es kommen zum Glück ehrenamtliche Helfer, die uns dabei unterstützen“, sagt die Leiterin. Sie besorgen beispielsweise Flohhalsbänder oder kümmern sich um die Impfungen. Vieles ist den Tieren in der ungezwungenen und freundlichen Umgebung des Seniorenzentrums erlaubt, nur mit dem Füttern muss man sich etwas zurückhalten. „Wir müssen auch ein bisschen aufpassen“, erzählt die Leiterin schmunzelnd. „Nur allzu gern möchten die Bewohner die Tiere auch mit kleinen Leckerlis versorgen.“

Text: aus "Haltepunkte" Gemeindebrief der Ev.-luth. Kirchengemeinden Bockhorn, Neuenburg, Zetel

Fotos: H. Nowack, Zetel

Ergänzung August 2019

Die Mutterziege aus unserem Ziegengehege ist Mitte Juli 2019 verstorben. Sie ist 16 Jahre alt geworden und war sehr krank. Der Tierarzt hatte vorausgesehen, dass sie bald gehen würde. Der Ziegenbock „Felix“ wurde am 23.07. von Frau Bürgel - sie wohnt in einer Seniorenwohnung und hat sich bisher um die Pflege und Betreuung der Ziegen gekümmert - nach Wiesmoor auf einen Tierschutzhof gebracht. Dort ist er in einer Gruppe von  fünf weiteren Artgenossen gut aufgenommen worden und fühlt sich inzwischen sehr wohl.

... und jeden Morgen kräht der Hahn

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Im Sommer 2020 sind sechs Sebright Zwerghühner in das ehemalige Ziegengehege eingezogen. Diese englische Geflügelrasse gilt als sehr zutraulich und auf den Menschen bezogen, also genau das Richtige für unsere Bewohner. Übrigens heißen der Einfachheit halber alle Hennen "Berta" und alle Hähne "Fridolin". So kann man sich die Namen leichter merken, zumal die Tiere sowieso nicht so leicht auseinanderzuhalten sind. Vor dem Einzug wurde das Gehege entsprechend umgebaut und liebevoll für die neuen Gäste gestaltet. Maßgeblich daran beteiligt war Frau Gisela Bürgel - eine unserer Mieterinnen und ehemalige Vorsitzende des Tierschutzvereins „Tierfreunde in der Friesischen Wehde e.V.“. Frau Bürgel kündigte übrigens für die nahe Zukunft noch die Ankunft dreier weiterer Zwerghühner an.

Die Hennen legen im Sommer jeden Tag drei Eier – bis zum Oktober – und jeden Morgen kräht zumindest ein Hahn. Einer der drei Hähne hat sich mittlerweile die Führungsposition erobert, er zeigt sich deutlich frecher als die anderen. Leider müssen alle Hühner momentan wegen der Vogelgrippe ihre Tage im Stall verbringen. Aber täglich kommt ein Bewohner des Sankt-Martins-Heims seine Hühner besuchen. Immer hat er einen Zwieback dabei, den er unter den Tieren aufteilt. Außer dem Geflügel erfreuen noch sieben Kanarienvögel und 28 Fische die Heimbewohner im Innengarten der Mietwohnungen.

Alle Tiere müssen natürlich täglich versorgt werden. Diese Arbeiten wie das Füttern, die Reinigung der Gehege und auch die Beschäftigung der Tiere sind sehr wichtig. Frau Bürgel und Florian Block, der Hausmeistergehilfe des Sankt-Martins-Heims, erledigen diese Arbeiten gemeinsam und haben viel Freude daran.

Februar 2021: Die neuen Mitbewohner sind eingezogen - der Hahn "Blacky" und die beiden Hennen "Olga"

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